Käfer-WGs in Pilzen, Mulmhöhlen und Ameisennestern – ein besonderes Naturerlebnis in der Lüneburger Heide
28. Juli 2025
Die zweite Runde des Aufbaukurses „Totholzkäfer bestimmen“ wurde erfolgreich vom 1.–4. Mai und 19.–22. Juni 2025 in der Lüneburger Heide gemeinsam mit der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz in Niedersachen durchgeführt.
18 naturbegeisterte Teilnehmende tauchten mit den Kursleitern Dr. Michael Meyer und Jonas Köhler tief in die faszinierende Welt der Totholz bewohnenden Käfer ein. In Vorträgen und praktischen Übungen ging es um die komplexen ökologischen Zusammenhänge des Lebensraums Totholz im Wald, einem Netzwerk aus Pilzen, Käfern, Ameisen, Holz und Zeit.
Ein echtes Highlight war der Beitrag des Pilzsachverständigen Jörg Albers, der als Gastdozent die Bedeutung von Pilzen anschaulich vermittelte. Pilze sind nämlich nicht nur wichtige Zersetzer, sondern auch echte Baumeister: Ihre Fruchtkörper, Mycelien und das durch sie „vorverdaute“ Holz bieten Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche an Totholz gebundenen Käferarten. So ergänzten sich Mykologie und Entomologie auf wunderbare Weise – ein gelungenes Zusammenspiel zweier eng verbundener Fachwelten.
Totholzkäferarten aus mehr als 30 Käferfamilien wurden von den Teilnehmenden unter dem Binokular anhand relevanter Merkmale bestimmt. Bei gemeinsam erfassten Käfern wurde zudem erlernt wie man wissenschaftlich präpariert. Bei Exkursionen, unter anderem im alten Waldbestand bei Hof Möhr, gab es besondere Höhepunkte. Der Fund des seltenen Baumschwammkäfers Mycetophagus decempunctatus (Eckelt et al. 2017), einer sogenannten Urwaldreliktart, der hohe Ansprüche an Habitatqualität und -kontinuität stellt, sorgte für Begeisterung. Verschiedene Methoden des Käferfangs konnten ausprobiert werden, darunter gab es spannende Einblicke in Totholzgesiebe, die einem Ameisennest von Lasius fuliginosus entnommen wurden. Hierbei fielen besonders die Glanzkäferart Amphotis marginata und die Kurzflüglerkäferart Pella laticollis auf. Sie konnten erstmals seit fast 50 Jahren (vgl. Schacht 2023) wieder im NSG Lüneburger Heide nachgewiesen werden – ein echter Glücksfund!
Doch nicht nur seltene Funde prägten den Kurs. Auch Erlebnisse wie der charakteristische Geruch des beunruhigten Gelbbindigen Schwarzkäfers (Diaperis boleti), der an verbranntes Plastik erinnert, dürften den Teilnehmenden nachhaltig in Erinnerung bleiben. Spontane Beiträge der Teilnehmenden wie ein Kurzvortrag über die Arbeit als Baumkontrolleur erweiterten das Programm ebenso wie ein abendlicher Rundgang durch das Pietzmoor auf der Suche nach Wasserkäfern. Neben aller fachlichen Tiefe kam auch das Gemeinschaftserlebnis nicht zu kurz: Abends wurde gemeinsam gegessen, intensiv diskutiert, gelacht – oder der Film „Xylobionta – die verborgenen Welt der holzbewohnenden Käfer“ von Thomas Quanter geschaut.
Eckelt, A. et al. (2018): „Primeval forest relict beetles” of Central Europe: a set of 168 umbrella species for the protection of primeval forest remnants. – Journal of Insect Conservation 22: 15-28.
Schacht, W. (2023): Die Käfer des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide – Nachträge 2020 bis 2022. – VNP–Schriften 14: 158 S.
Gelbbindiger Schwarzkäfer – Diaperis boleti einmal in der Lüneburger Heide und unterm Binokular. Bei Beunruhigung riecht er charakteristisch nach verbranntem Plastik (Fotos: Marie-Christine Rieger/Albia Consul)
Besprechung der gefundenen Käfer mit den Kursleitern Michael Meyer und Jonas Köhler (Foto: Albia Consul)
Faunistische Entdeckungstour durchs Pietzmoor in der Lüneburger Heide (Foto: Albia Consul)





