
Die Vielfalt im Verborgenen
KennArt-Aufbaukurs „Totholzkäfer bestimmen“ erstmals in Münster durchgeführt
12. Juni 2023
Auf den ersten Blick ist es nur ein verrotteter Baumstumpf – doch bei genauerem Hinsehen ist es ein Mikrokosmos in sich! Die Insektengemeinschaft in so einem Stück Totholz wird dabei u.a. von Käfern dominiert – sind doch ca. 25% aller bei uns vorkommenden Käferarten im weitesten Sinne auf Holz angewiesen und zudem holzbewohnende Arten in 65% aller Käferfamilien zu finden. Dabei sind die Lebensweisen sehr vielgestaltig: Manche Arten fressen an von Mikroorganismen zersetztem Holz und leben im Mulm, andere leben in und von holzzersetzenden Pilzen, wieder andere ernähren sich räuberisch von anderen in Totholz vorkommenden Insekten. Während manche Arten auffallend groß und sicher jedermann bekannt sind, etwa der Hirschkäfer, ist ein Großteil der Arten auf den ersten Blick eher unauffällig, sodass die Farb- und Formenvielfalt erst unter dem Binokular erkennbar wird.
Mit dieser interessanten Gruppe beschäftigten sich die Teilnehmenden des Aufbaukurses „Totholzkäfer bestimmen“, der in zwei Blöcken Ende April/Anfang Mai sowie Anfang Juni im Münster stattfand. Neben Vorträgen zur Holzstruktur und der vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten der vielen Arten, sowie der Diskussion aktueller Forschungsfragen wurden exemplarisch verschiedene auffällige Arten oder Gattungen aus 30 ausgewählten Familien vorgestellt und unter dem Binokular bestimmt. Einer der Kursteilnehmer stellte zudem in einer moderierten Ausstellung die Vielfalt der Totholzpilze vor, die wiederum für viele Käfer eine wichtige Lebensgrundlage bilden. Ergänzt wurde der Kurs durch zwei Tagesexkursionen bei schönstem Wetter in die Wälder südlich von Münster und an das Heilige Meer.
Den Kursteilnehmenden wurden dabei die Augen geöffnet und gezeigt, dass Totholz eigentlich doch auffallend lebendig ist und sich unter einem Stück abgeplatzter Rinde oder an einem abgebrochenen Ast doch (fast) immer der eine oder andere Käfer findet, der diese Struktur für sich nutzen kann. Sicher gehen die Teilnehmenden nach dem Kurs mit einem anderen Blick durch den Wald…

