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Auf Totholzkäfertour in der wilden Eifel

06. Oktober 2025

Detaillierte Nahaufnahme eines dunkel gefärbten, langgestreckten Bockkäfers auf einem Holzstück.

An einem besonnten Waldrand oberhalb des Urftstausees entdeckten die Teilnehmenden diesen wunderschönen und seltenen Haarschildigen Halsbock (Stictoleptura (=Corymbia) scutellata), der auf der Roten Liste Kategorie 3 steht (Foto: Aron Bellersheim)

Vom 11. Juni bis 26. September 2025 fand in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Eifel die zweite Runde des Vertiefungskurses „Totholzkäfer bestimmen“ statt, mit tollen Exkursionen in der Eifel und einem Kursblock am Museum Koenig in Bonn.

Mitte Juni trafen sich 15 Teilnehmende bei strahlendem Frühsommerwetter, um gemeinsam mit den Kursleitern Dr. Michael Meyer und Jonas Köhler tiefer in die Ökologie und Vielfalt der Totholzkäfer einzutauchen. Neben Fachvorträgen zur Ökologie, zu Forschungsprojekten und Monitoring, sowie einem spannenden Vortrag von Sönke Twietmeyer, aus der Forschungssektion des Nationalpark Eifel, und einer Führung durch die entomologische Sammlung des Museum Koenigs durch Kurator Dr. Dirk Ahrens, stand diesmal vor allem die Bestimmung seltener und schwer erkennbarer Artengruppen im Fokus.

Höhepunkt des ersten Kursblocks waren drei Ganztagesexkursionen rund um den Urftstausee und in die Kernzone des Nationalparks, des Kermeter. Hier untersuchten die Teilnehmenden unterschiedliche Waldgesellschaften mit vielfältigen Methoden. Von Handaufsammlungen und Klopfproben über die Untersuchung von Konsolenpilzen und Mulmhöhlen bis hin zum Aufstellen von Kreuzfensterfallen und Leimringen. Die Fallen blieben mehrere Wochen im Gelände, um ein möglichst breites Artenspektrum erfassen zu können.

Untergebracht im Naturschutz-Bildungshaus-Eifel-Ardennen-Region entstand schnell eine lebendige „Kurzzeit-WG“. Gemeinsame Mahlzeiten und abendliche Gespräche bis tief in die Nacht schufen eine besondere Kursatmosphäre, und boten gleichzeitig Gelegenheit, auch außerhalb des offiziellen Programms an Käferbestimmungen zu arbeiten.

Im zweiten Kursblock Ende September wurden die im Sommer gesammelten Tiere bestimmt und präpariert. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Artenliste und Exkursionsberichte, deren detaillierte Auswertung bis Dezember 2025 laufen wird. Ergänzend hielten die Teilnehmenden Kurzvorträge zu ausgewählten Käferfamilien, wodurch das Gelernte noch einmal vertieft wurde.

Unter den Funden waren zahlreiche spannende Arten, darunter der Kurzflügelkäfer Quedius truncicola, eine seltene Urwaldreliktart, [1] (Rote Liste D: Vorwarnliste), sowie der Haarschildige Halsbock (Stictoleptura scutellata) (RLD: 3) und der Rüssel-Rotdeckenkäfer (Lygistopterus sanguineus, RLD: V). Auch neu eingewanderte Arten wurden entdeckt, wie etwa Epiphanis cornutus (Schienenkäfer: Eucnemidae) aus Nordamerika oder Paratillus carus (Buntkäfer: Cleridae) aus Australien, die bislang nur an wenigen Orten in Deutschland nachgewiesen wurden [2].

Am Ende waren sich alle einig: Der Kurs hat nicht nur wertvolles Fachwissen vermittelt, sondern auch den Zusammenhalt gestärkt. Einige Teilnehmende hatten bereits Grund- und Aufbaukurs besucht und wollen auch künftig gemeinsam auf Käfer-Entdeckungstour gehen.

Literatur:

[1] Eckelt, A. et al. (2018): „Primeval forest relict beetles” of Central Europe: a set of 168 umbrella species for the protection of primeval forest remnants. – Journal of Insect Conservation 22: 15-28.

[2] Bleich O., Gürlich S. & Köhler F. (2025): Verzeichnis und Verbreitungsatlas der Käfer Deutschlands. – World Wide Web electronic publication www.coleokat.de [28.09.2025]

Mehrere Personen beugen sich über eine Kiste mit Erde und Laub und untersuchen das Material sorgfältig, vermutlich zur Insektenforschung im Freien.

Hier wird gerade ein Gesiebe aus einer Mulmhöhle untersucht. Um ja keinen Käfer zu verpassen stehen die Teilnehmenden mit Exhaustoren bereit…und sie sind fündig geworden! (Foto: Albia Consul)

Nahaufnahme eines schwarz-braunen Kurzflügelkäfers auf einem Stück Holz oder Rinde.

Diese seltene Urwaldreliktart Quedius truncicola der Kurzflügelkäfer (Staphylinidae), findet man hauptsächlich in feuchten Mulmhöhlen. Da sich solche Strukturen in bewirtschafteten Wäldern kaum finden lassen, ist diese Art nur in naturnahen Beständen anzutreffen und steht heute auf der Roten Liste D: Vorwarnliste (Foto: Aron Bellersheim)

Zwei Personen befestigen eine grün-gelbe Insektenfalle an einem Baum im Wald, um fliegende Insekten zu fangen und zu untersuchen.

In Gemeinschaftsarbeit wurden Kreuzfensterfallen installiert und einige Wochen im Gelände belassen, um möglichst ein breites Artenspektrum der Totholzkäfer im Nationalpark Eifel zu erfassen (Foto: Albia Consul)

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